wird als Verdrängung

Liebe Leserin, lieber Leser,
Die Welt ist im Umbruch! Im Aussen zeigen sich tiefe Abgründe, Spannungen und alte Systeme brechen offensichtlich auseinander. Hier zeigt sich ganz klar: Übergänge machen immer sichtbar, was nicht mehr passt, was wir nicht mehr wollen. Sie lassen Altes sterben und öffnen Raum für Neues.

Doch was hat dieses Aussen eigentlich mit uns zu tun? Und hat es überhaupt etwas mit uns zu tun? Irgendwie ja schon, es lässt uns ja nicht kalt, es wird überall darüber gesprochen. 
Ja wir sind in diese Welt, in diese Systeme hineingeboren. Das gibt uns eine Zugehörigkeit und einen Halt, das was wir als Menschen brauchen. 
Unsere Glaubenssysteme, wie die Welt ist, wie es auf der Welt so abläuft, hat uns diese Sicherheit gegeben. Und was, wenn jetzt plötzlich dieses Kartenhaus im Aussen in sich zusammen? Somit fällt auch etwas in uns zusammen. Und genau an diesem Punkt werden wir plötzlich mit unserem eigenen Loslassen und unserer Neuorientierung konfrontiert. Wir haben dabei 3 Möglichkeiten damit umzugehen: 
1. Wir können flüchten, indem wir uns an Verschwörungstheorien, Ideologien, politische Lager angliedern. Und das, weil wir Halt und Zugehörigkeit wollen. 
2. Wir fallen in Zynismus gekoppelt an Rückzug: "die sind ja doch alle korrupt oder das ist ja eh alles manipuliert. Man kann ja eh nichts mehr glauben". 
3. Was eher seltener gewählt wird, ist Reifung. Durch eigenes inneres Wachstum passiert etwas ganz anderes. Der Mensch entkoppelt sich aus den kollektiven Geschichten indem er sich in der eigenen Wahrnehmung verankert und sich seiner eigenen inneren Transformation hingibt. 
Oft helfen uns dabei Lebenssituation, die wir im ersten Moment nicht so lieben, nämlich dann, wenn das Leben mit uns ehrlich wird. Radikal. Fühlbar. Unausweichlich. Nicht, weil etwas falsch läuft. Sondern weil Entwicklung ansteht. 
Und ganz viele Menschen sind da gerade mittendrin. Solche (wie wir sie auch ganz einfach nennen) Krisen bedeuten nicht in erster Linie Aufbruch – vielmehr bedeuten sie, die Dynamik, die wir im Aussen sehen, in unser Inneres zu lenken genau hinzuschauen und sich selbst zu halten mit allem was in uns ist. Transformation beginnt dort, wo wir aufhören unsere eigenen inneren Anteile zu verdrängen und beginnen sie anzunehmen und sie zu fühlen.
Es geht darum, bei uns zu bleiben, auch dann, wenn es sich anfühlt wie ein inneres Sterben – ein Abschied einer alten Identität von alten Rollen, alten Verletzungen, alten Geschichten. Und genau da entsteht etwas Echtes. Unser Fühlen ist dabei niemals das Problem, sondern es ist unser Wegweiser.
Da, wo wir lernen, uns in unseren Gefühlen zu halten – nicht wegzugehen, nicht zu kämpfen, sondern da zu bleiben – geschieht Integration.

Das ist weit weg von verstrahlter Spiritualität. Sondern hin zu verkörperter, ruhiger und entspannter Weite, wo wir tief in uns verwurzelt werden und gleichzeitig uns immer mehr anbinden an etwas Grösseres.

Oft sind in solchen Prozessen uns einfache zugewandte Sätze besonders heilsam: 

Ich höre dich.

Ich bin und bleibe hier.
Liebe bleibt.

Es kann sein, dass du dich jetzt fragst, wohin führt uns denn das? 

Wir alle tragen Erfahrungen von Verletzung, Traumatas oder Missbrauchsthemen in uns. Dieses alte Leid bindet und identifiziert uns unbewusst, was auch der Grund ist, weshalb es uns oft unmöglich erscheint, das Alte loszulassen. Aber wir dürfen wissen - das Alte ist nicht unser endgültiges Zuhause.

Wenn wir lernen, uns selbst durch alle Gefühle, auch durch die unangenehmen, zu begleiten, wird das Vergangene nicht verdrängt – es wird integriert. Was bedeutet, die erlebte Vergangenheit verliert seine Macht über unsere Identität und somit sind wir frei.

Das Gute daran ist, niemand ist zu jung oder zu alt für diesen transformativen Weg. Die eigentliche Frage dabei ist nur, bin ich bereit, mit mir durch diese Zeit des Wandels zu gehen?

Von Herzen
Dora


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